Heute, am 26. Mai 2026, ist es ein frischer Freitagmorgen in Dachau. Die Tautropfen glitzern auf der Wiese hinter der Bücherei, und irgendwo in der Nähe spielen Kindergartenkinder. Hier, inmitten der Natur, rollen ein Dutzend Frauen ihre Matten aus, bereit für eine etwas andere Yoga-Stunde. Die Luft ist erfüllt von einer entspannten Vorfreude, die sich wie ein sanfter Windhauch anfühlt. Die Yoga-Lehrerin Jona Waibl ist die Kapitänin dieses Abenteuers und bietet Pop-up-Yoga an. Kurse an wechselnden Orten – das hat was! Man könnte fast sagen, sie ist die Entdeckerin des Outdoors – in einer Zeit, in der hohe Ladenmieten und eine wachsende Konkurrenz in Dachau es schwer machen, ein eigenes Studio zu führen.
Mit Kopfhörern ausgestattet, die Umgebungsgeräusche weitgehend ausblenden, tauchen die Teilnehmerinnen in die Welt von Jona Waibl ein. Es ist faszinierend, wie die Stimme der Lehrerin und die entspannende Musik direkt ins Ohr flüstern. Man fühlt sich fast wie in einer Silent Disco – nur dass hier nicht das Feiern, sondern die innere Ruhe im Vordergrund steht. Bettina Kronawitter, eine der Teilnehmerinnen, kann gar nicht genug davon bekommen. Sie schätzt das Draußensein und die Abwechslung zum klassischen Studio. Es ist, als würde man mit jedem Atemzug die Freiheit der Natur aufsaugen.
Outdoor-Sport und neue Trends
Das Konzept von Outdoor-Sport boomt. Es ist nicht nur das Yoga, das hier im Freien praktiziert wird. Auch SUP-Yoga, Calisthenics-Anlagen und die Martin-Huber-Treppe ziehen die Leute nach draußen. Die Natur wird zum Fitnessstudio und das ist einfach genial. Laut einer Studie aus 2018 fehlen in Dachau 3000 Quadratmeter Sportflächen. Ein Mangel, der kreatives Denken erfordert. Jona Waibl hat diesen Platzmangel in eine Chance verwandelt. Sie möchte kein eigenes Yogastudio, das sie in organisatorische Dinge verstrickt. Ihre Flexibilität und Erfindergeist sind bewundernswert und machen das Outdoor-Yoga zu etwas Einzigartigem.
Die Outdoor-Sportbewegung wird nicht nur als eine Möglichkeit gesehen, fit zu bleiben, sondern als Lifestyle, der Gemeinschaft und Abenteuer in den Vordergrund stellt. Immer mehr Menschen zieht es nach draußen, weg von den Fitnessstudios. Dabei wird eine Vielzahl von Aktivitäten angeboten: Trailrunning auf alpinen Pfaden, E-Bikes und Gravelbikes, die durch Wälder und über Bergwege düsen, und sogar Everesting oder Ultra Long Distance Challenges für die ganz Harten. Es ist interessant zu beobachten, wie sich das Freizeitverhalten wandelt und wie eine Sehnsucht nach Entschleunigung und Natur entsteht.
Nach der Yoga-Einheit führt Jona Waibl eine Teilnehmerin zum Kneippbecken des Holzgartenkanals. Ein erfrischender Abschluss, der das Erlebnis abrundet. Es sind diese kleinen Momente, die den Tag unvergesslich machen. Und während die Frauen sich im Kneippbecken erfrischen, wird klar: Das Yoga in der Natur ist mehr als nur eine Trainingsstunde. Es ist eine Rückkehr zu den Wurzeln, zu sich selbst und zur Gemeinschaft. Vielleicht braucht Dachau tatsächlich mehr davon – mehr Raum für Bewegung, mehr Freiheit für die Seele.