Heute ist der 8.05.2026 und die Stimmung in der Psychotherapie ist, gelinde gesagt, angespannt. Jens Gebauer und seine Frau, die zusammen eine psychotherapeutische Praxis in Berlin-Zehlendorf leiten, spüren den Druck, der durch die geplanten Honorarkürzungen von 4,5 Prozent entsteht. In ihrer Praxis, die aus acht engagierten Mitarbeitern besteht, wird die Situation nicht einfacher. Vor Kurzem erhielten sie innerhalb von nur zwei Stunden sechs Therapieanfragen – und das während einer Demonstration von Kollegen, die gegen diese Kürzungen protestieren. Ein starkes Zeichen der Notwendigkeit, könnte man sagen. Traurig ist nur, dass sie den Anfragenden mitteilen mussten, dass kein Platz auf der Warteliste verfügbar ist. Und besonders besorgniserregend: Vier der sechs Anfragen betrafen Kinder und Jugendliche. Hier wird deutlich, wie groß der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung ist.
Gesundheitssysteme stehen vor enormen Herausforderungen, und die psychische Gesundheit vieler Menschen ist dabei besonders gefährdet. Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) hält die geplanten Honorarkürzungen für unverständlich, vor allem in einer Zeit, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung steigt und es erhebliche Versorgungslücken gibt. Psychische Erkrankungen sind in Deutschland weit verbreitet, und die Situation hat sich, insbesondere bei den Jüngeren, in den letzten Jahren verschlechtert. Wartezeiten auf Therapieplätze können bis zu einem halben Jahr betragen – und bei Kindern und Jugendlichen sogar noch länger. Das ist alarmierend!
Die Auswirkungen der Kürzungen
Der Erweiterten Bewertungsausschuss hat entschieden, die Vergütung ambulanter psychotherapeutischer Leistungen zu senken, und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Nachfrage nach Therapieplätzen so hoch ist wie nie. Laut der DGPs ist es wichtig, in eine angemessene Versorgung zu investieren. Denn evidenzbasierte Leitlinien empfehlen Psychotherapie als Therapie der ersten Wahl für viele psychische Störungen. Und das aus gutem Grund: Gesundheitsökonomische Analysen zeigen, dass die ambulante Psychotherapie nicht nur wirksam, sondern auch wirtschaftlich effizient ist. Für jeden Euro, der in die Psychotherapie investiert wird, ergibt sich ein gesamtgesellschaftlicher Nutzen von etwa zwei bis vier Euro. Das sollte doch eigentlich für sich sprechen, oder?
Die DGPs warnt vor den negativen Folgen dieser Honorarkürzungen, die nicht nur die aktuelle Versorgung betreffen, sondern auch die zukünftige Qualifizierung angehender Psychotherapeuten. Der Beruf könnte an Attraktivität verlieren, und das ist ein echtes Problem. Die ungesicherte Finanzierung der Weiterbildung wird als zentrales Hindernis gesehen. Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier und Dr. Matthias Sperl von der DGPs fordern daher eine Stärkung der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung, Investitionen in Prävention und verlässliche Rahmenbedingungen für die Weiterbildung.
Ein Blick in die Zukunft
Die Lage ist angespannt, das ist nicht zu leugnen. Die Praxis von Jens Gebauer steht exemplarisch für viele andere, die unter den neuen Bedingungen leiden müssen. Die Anfragen während der Demonstration zeigen, wie dringend die Menschen Hilfe suchen. Es ist ein eindringlicher Appell, den wir nicht ignorieren dürfen. Es gibt so viele, die unter psychischen Erkrankungen leiden – und viele erhalten nicht die Unterstützung, die sie brauchen. Die DGPs unterstützt die Bemühungen von Kammern, Berufsverbänden und der Zivilgesellschaft für eine angemessene Finanzierung der psychotherapeutischen Versorgung. Und das ist auch gut so. Denn letztendlich geht es um die Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, und die müssen im Mittelpunkt unseres Handelns stehen.