Heute ist der 29.05.2026 und wir nehmen uns einen Moment Zeit, um über ein Thema zu sprechen, das viele von uns betrifft, aber oft in den Hintergrund gedrängt wird: die Gesundheit von Frauen, insbesondere im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat zum Internationalen Tag der Frauengesundheit mehr Fortschritte in der medizinischen Versorgung für Frauen gefordert. Und das ist mehr als nur ein Appell. Es ist höchste Zeit, dass wir die Unterschiede in der medizinischen Forschung und Versorgung ernst nehmen.

Warken hebt hervor, dass die Symptome und Behandlungen bei Männern oft besser erforscht sind als bei Frauen. Frauen haben andere gesundheitliche Bedürfnisse, Beschwerden und Symptome, die lange Zeit ignoriert wurden. Im Land Bremen waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen 2024 die häufigste Todesursache bei Frauen – ein alarmierender Fakt, der 34,4 Prozent der Sterbefälle ausmacht. Dazu zählen Herzinfarkt, Schlaganfall und koronare Herzkrankheit. Doch die Statistik ist nicht ganz unproblematisch, denn sie basiert auf Totenscheinen, auf denen nur eine Todesursache angegeben ist. So könnten andere Krankheiten unter den Tisch fallen.

Gendermedizin im Fokus

Mo Urban, Referentin für Frauengesundheit bei der ZGF, hat einen klaren Aufruf gestartet: Wir brauchen Änderungen in der medizinischen Forschung und im Medizinstudium. Die Gendermedizin sollte verpflichtend in den Lehrplan aufgenommen werden, um geschlechtsspezifische Unterschiede zu berücksichtigen. Denn bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen manifestieren sich die Symptome bei Frauen oft ganz anders. Übelkeit und Rückenschmerzen – das sind nur einige der Symptome, die stärker in den Fokus gerückt werden sollten. Das Bremer Gesundheitsressort unterstützt bereits eine gendersensible Medizin, und die Gesundheitsministerkonferenz hat 2025 entsprechende Maßnahmen beschlossen.

Ein weiteres Problem ist, dass Frauen oft später ärztliche Hilfe suchen und ihre Beschwerden weniger ernst genommen werden. Das führt dazu, dass sie in Notfallsituationen schlechtere Chancen haben, gerettet zu werden. Komischerweise zögern Ersthelfende, eine weibliche Brust für Druckmassagen freizulegen – ein Umstand, der dringend geändert werden muss. Urban schlägt Schulungen an weiblichen Puppen mit Brust vor. Ein Schritt, der Hürden abbauen könnte!

Die verschiedenen Gesichter der Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die Realität der kardiovaskulären Erkrankungen ist, dass sie weltweit die führende Todesursache bei Männern und Frauen sind. Doch das Verständnis geschlechterspezifischer Unterschiede in der Prävalenz, Pathophysiologie und klinischen Präsentation ist noch lange nicht ausreichend. Frauen sind in klinischen Studien oft unterrepräsentiert, was zu einer unzureichenden Evidenz führt. Das Positionspapier der DGK beleuchtet diese geschlechtsspezifischen Aspekte in der Kardiologie und gibt Empfehlungen für die Symptomatik, Diagnose und Therapie. Ziel ist es, eine personalisierte Behandlung unter Berücksichtigung dieser Unterschiede zu erreichen.

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Es gibt viele Unterschiede in der Anatomie, Ätiologie und auch in der Pharmakokinetik. Frauen haben oft mehr Komplikationen bei medizinischen Eingriffen, und bei Arzneimittelbehandlungen können geschlechtsspezifische Unterschiede die Wirkung beeinflussen. Das zeigt sich besonders bei Herzinsuffizienz: Während Männer häufiger an Herzinsuffizienz mit eingeschränkter linksventrikulärer systolischer Funktion leiden, haben Frauen oft eine Form mit erhaltener Auswurffraktion. Und dennoch wird die Echokardiographie bei Frauen seltener eingesetzt als bei Männern. Das ist einfach nicht nachvollziehbar!

Ein dringender Appell zur Veränderung

Die Herausforderungen sind vielfältig. Akute Koronarsyndrome treten vor allem bei Männern auf, doch nach 75 Jahren sind Frauen in der Mehrzahl. Und die Zahl akuter Koronarsyndrome bei jüngeren Frauen steigt. Ein geringes Bewusstsein für diese Veränderungen bei Patienten und Ärzten führt zu Verzögerungen in der Diagnosestellung. Stress, Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen sind Risikofaktoren, die bei Frauen anders wirken können. So identifiziert die VIRGO-Studie Stress als wichtigen Risikofaktor für Myokardinfarkte bei Frauen.

Die Empfehlungen für Tests und Therapien sollten sich also dringend an diesen geschlechtsspezifischen Unterschieden orientieren. Denn nur so können wir die Versorgungsqualität für Frauen verbessern und sicherstellen, dass sie die medizinische Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Es ist an der Zeit, dass wir den Frauen in der Medizin eine Stimme geben, die nicht überhört wird. Die Gesundheit von Frauen – sie ist ein wichtiges Thema, das endlich die Aufmerksamkeit erhält, die es verdient. Und damit sind wir noch lange nicht am Ziel angekommen.