Es ist ein Thema, das oft im Schatten steht: die Gesundheit von Frauen. Julia Sacher und Veronica Witte, zwei engagierte Forscherinnen am Exzellenzcluster Leipzig Center of Metabolism – LeiCeM der Universität Leipzig, haben sich dieses Themas angenommen und decken dabei eine große Lücke in der medizinischen Forschung auf. Ihre Arbeit konzentriert sich nicht nur auf Geschlecht und Gender, sondern auch auf die dringend notwendige Verbesserung der Gesundheitsversorgung für Frauen. Denn, Hand aufs Herz, in vielen klinischen Studien werden Frauen oft ausgeschlossen, als ob ihre Hormone ein Störfaktor wären. Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch gefährlich.

Die historischen und strukturellen Gründe für die Unterrepräsentation von Frauen in der Forschung sind vielfältig und reichen bis in die 1970er Jahre zurück. 1977 empfahl die FDA, Frauen im gebärfähigen Alter von klinischen Studien auszuschließen. Eine Entscheidung, die bis heute nachwirkt und unbeabsichtigte Folgen hat. Der Contergan-Skandal, der uns lehrt, dass Frauen besser und verantwortungsvoller in der Forschung betrachtet werden sollten, ist ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, Frauen in Studien zu integrieren. Thalidomid wurde nie systematisch an Schwangeren untersucht und das hat fatale Folgen gehabt.

Gesundheitsversorgung und Gender-Daten-Lücke

Eine erschreckende Tatsache: Frauen haben seltener einen Herzinfarkt, sterben aber häufiger daran. Und die medizinische Versorgung? Oft wird bei Frauen nicht einmal eine Reanimation oder invasive Therapie in Betracht gezogen. Stattdessen werden körperliche Beschwerden häufig psychologisiert, was zu einer fatalen Missachtung ihrer tatsächlichen Gesundheitsprobleme führt. Auch in der Alzheimer-Forschung sieht es düster aus: Frauen sind häufiger betroffen, doch die derzeitige Medikation zeigt bei ihnen keine Wirkung. Das ist ein klarer Weckruf!

Sacher fordert nicht nur sichere Studiendesigns, sondern auch die Einbeziehung von Frauen und Schwangerschaften in die Forschung. Es ist höchste Zeit, dass wir den Anteil von Männern in Studien zu medizinischen Produkten wie Stents oder Herzschrittmachern, der bei zwei von drei Probanden liegt, überdenken. Es gibt bereits Initiativen, die in diese Richtung zielen, doch eine langfristige Priorisierung der Frauengesundheit ist unerlässlich.

Geschlechtsspezifische Unterschiede und die Rolle der Forschung

Ein weiterer Aspekt, der oft übersehen wird, sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede in Symptomen, Verlauf und Behandlung von Erkrankungen. Herzinfarkte und Depressionen äußern sich bei Frauen ganz anders als bei Männern. Das Geschlecht ist also ein fester Bestandteil der medizinischen Forschung – und beeinflusst Diagnose, Therapie sowie Prävention maßgeblich. Aber was passiert? Ein „Gender Data Gap“ klafft in der medizinischen Forschung und meist zu Ungunsten der Frauen. Klinische Studien wurden überwiegend mit männlichen Probanden durchgeführt, was nicht nur zu einer Unterdiagnose bei Frauen führt, sondern auch die Entwicklung von Behandlungen beeinflusst.

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Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat die Dringlichkeit erkannt und fördert seit 2017 geschlechtersensible Forschung in Deutschland. Unter anderem geht es um die reproduktive Gesundheit und Endometriose, ein Thema, das rund zwei Millionen Frauen hierzulande betrifft. Zudem werden neue Verhütungsmittel und interaktive Technologien für geschlechtsspezifische Gesundheit erforscht, unterstützt mit rund 12 Millionen Euro. Das alles zeigt, dass der Trend zur Wahrnehmung der Frauengesundheit zwar im Gange ist, aber noch lange nicht ausreichend ist.

Forschungsverbünde in Frankfurt, Münster, Aachen und Heidelberg arbeiten an neuen Verhütungsmitteln und Zyklus-Apps – das klingt nach Fortschritt! Doch um die Herausforderungen der Frauengesundheit wirklich zu meistern, müssen wir weiterdenken, mutig sein und nicht aufhören, die Stimme zu erheben. Denn es geht um mehr als nur Forschung; es geht um Leben.