Die Stimmung unter Psychotherapeuten in Deutschland ist angespannt – und das aus gutem Grund. In der Rhein-Neckar-Region haben über 60 Praxen geschlossen, um gegen die Sparpläne der Bundesregierung zu protestieren. Die Warnungen sind laut: Psychotherapeutin Laura Müller macht deutlich, dass die geplanten Reformen nicht nur die Anzahl der Therapieplätze gefährden, sondern auch die Wartezeiten für Patienten auf ein unerträgliches Maß verdoppeln könnten. Das ist ein echtes Alarmzeichen, denn die Wartelisten sind bereits jetzt übervoll. Ein Blick auf die baldige Bundestagsdiskussion über das „GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz“ zeigt, dass hier grundlegende Veränderungen auf uns zukommen.
Am Mittwoch haben sich die Landesgesundheitsminister zusammengesetzt, um über die Reform zu beraten, die darauf abzielt, die gesetzlichen Krankenversicherungen um Milliardenbeträge zu entlasten. Für viele Therapeuten, wie Manuel Kieser, bedeutet das eine „triagenartige“ Vergabe von Therapieplätzen. Was heißt das konkret? Nur Notfälle könnten behandelt werden. Der Rest bleibt auf der Strecke. Müller und Kieser warnen zudem vor den Folgekosten der Reform, die sich in Form von erhöhten Arbeitsunfähigkeitstagen und einem schnelleren Übergang in die Erwerbsminderungsrente bemerkbar machen könnten. Das klingt alles andere als gut für die Patientenversorgung.
Die Sorgen der Psychotherapeuten
Ein zentrales Problem ist die geplante Obergrenze von 18 Kassenpatienten pro Praxis, mit nur begrenzten Mitteln für alle Praxen darüber hinaus. Das sorgt für massive Unsicherheit und lässt die Therapeuten ratlos zurück. „Wir wissen nicht, wie das endgültige Gesetz aussehen wird“, so Müller, die auf die Hoffnung setzt, dass die Protestaktionen einen Einfluss auf den Gesetzgebungsprozess haben könnten. Und während sich die Diskussionen im Bundestag zuspitzen, gehen die Gewerkschaften und Verbände auf die Straße, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.
Doch das ist nicht das einzige, was auf der Agenda der Bundesregierung steht. Die Reform zur Stabilisierung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung ist eine Reaktion auf die stark gewachsenen Ausgaben der letzten Jahre. Der Beitrag für Versicherte ist erheblich angestiegen, und die Bundesregierung hat nun die Initiative ergriffen, um die Ausgaben im Gesundheitswesen wieder in den Griff zu bekommen. Die Idee ist, dass die Ausgaben sich an den Einnahmen orientieren – das klingt zunächst logisch, könnte aber unerwartete Konsequenzen mit sich bringen.
Ein Blick auf die Reformen
Die geplanten Maßnahmen sind vielfältig: Die Erstattung für homöopathische Arzneimittel und Cannabis-Blüten wird gestrichen, und Regelungen, die zu Doppelvergütungen oder Fehlanreizen führten, sollen abgeschafft werden. Das klingt nach einem straffen Kurs, der die Kosten eindämmen soll. Auch im Arzneimittelbereich wird ein zusätzlicher Herstellerabschlag eingeführt, während die Vergütungen für Führungskräfte der Krankenkassen sowie deren Ausgaben für Verwaltung und Werbung begrenzt werden sollen. Doch die Zuzahlungsbeiträge für die Versicherten steigen einmalig um 50 Prozent – das wird sicher nicht überall auf Zustimmung stoßen.
Für viele Menschen ist dies ein Schlag ins Gesicht. Die durchschnittliche Entwicklung der Bruttolöhne soll als Obergrenze für die Ausgaben gelten, was die Frage aufwirft, wer hier tatsächlich profitiert. Die jährliche Belastungsgrenze für chronisch kranke Menschen bleibt zwar bei 1 Prozent des Haushaltsbruttoeinkommens, für andere Personen bei 2 Prozent – aber dennoch bleibt ein fader Beigeschmack. Die Diskussion über die Zukunft der psychotherapeutischen Versorgung ist in vollem Gange und die Sorgen der Therapeuten sind mehr als berechtigt.