Die Situation rund um die Weiterbildung in der Psychotherapie in Deutschland scheint mehr und mehr zu einem brisanten Thema zu werden. Judith Kappmeyer, eine Studentin an der Universität Trier, hat nach ihrem fünfjährigen Psychologiestudium keinen Platz für die erforderliche Weiterbildung finden können. Das ist nicht nur ihr persönliches Unglück, sondern spiegelt eine massive Lücke im System wider: In Trier gibt es momentan schlichtweg keine Weiterbildungsplätze für angehende Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Und das, obwohl es in Rheinland-Pfalz bis 2026 etwa 150 Absolventen geben wird, die bereit sind, ihre Karriere zu starten. Doch das Warten auf einen Platz könnte für viele zu einer Geduldsprobe werden.

Vor 2020 war der Weg in die Psychotherapie klar umrissen: Ein Psychologiestudium und anschließend die Ausbildung zum „Psychotherapeut in Ausbildung“ (PiA). Dieses System wurde jedoch wegen seiner hohen Kosten und der miserablen Vergütung kritisiert. Bis zu 30.000 Euro mussten viele Studierende für ihre Ausbildung selbst aufbringen, was die Frage aufwarf: Wie soll man in einem Berufsfeld, das oft mit emotionalen Herausforderungen konfrontiert ist, auch noch finanziell über die Runden kommen? Mit der Reform des Psychotherapeutengesetzes, die im September 2020 in Kraft trat, wurde die Ausbildung neu strukturiert. Nun folgt nach dem Studium die Approbation und eine fünfjährige, vergütete Weiterbildung. Klingt gut, oder? Aber hier kommt der Haken: Die Finanzierung der Weiterbildung bleibt unklar. Krankenkassen zahlen in erster Linie für die Behandlung von Patienten, nicht für theoretische Inhalte, Supervision oder Selbsterfahrung.

Die prekäre Lage der angehenden Psychotherapeuten

Aktuell haben Weiterbildungsstätten ein Defizit von etwa 30 Prozent pro Platz, was zur Streichung oder Reduzierung von Stellen führt. Da fragt man sich schon: Wo bleibt die Verantwortung der Krankenkassen? Diese sehen sich nämlich nicht in der Pflicht, die Weiterbildung zu finanzieren. Dr. Andrea Benecke von der Psychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz äußert deutlich, dass eine Förderung durch den Bund dringend notwendig ist. Ein weiteres Alarmzeichen: Die Universität Trier kann zurzeit keine Plätze anbieten. Das gefährdet nicht nur die psychotherapeutische Versorgung im ländlichen Raum, sondern auch die Gesundheit vieler Menschen.

Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass die Lage nicht besser wird. Laut Prognosen werden im Wintersemester 2024/2025 rund 5.500 junge Menschen ein Psychologiestudium aufnehmen, wobei etwa die Hälfte von ihnen plant, sich im Bereich Psychotherapie zu spezialisieren. Doch was passiert mit diesen jungen Talenten, wenn die Finanzierung weiterhin unklar bleibt? Viele Studierende, darunter auch Judith Kappmeyer, verzögern ihren Studienabschluss in der Hoffnung, dass sich die Situation bessert. Das ist nicht nur frustrierend, sondern könnte auch langfristig den Wissenschaftsstandort Deutschland gefährden. Ein Mangel an klinisch qualifiziertem Nachwuchs droht, was für die psychotherapeutische Forschung und die Versorgung der Patienten katastrophale Folgen haben kann.

Demonstration und politische Forderungen

Am 16. Oktober 2024 wird eine Demonstration vor dem Deutschen Bundestag in Berlin stattfinden, organisiert von der Psychologie-Fachschaften-Konferenz (PsyFaKo). Hier werden die Forderungen nach einer klaren Finanzierungslösung laut. Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) hat sich solidarisch erklärt und appelliert an die Politik, die Finanzierung der Fachweiterbildung verbindlich zu regeln. DGPs-Präsidentin Eva-Lotta Brakemeier hat die prekäre Lage der Studierenden deutlich angesprochen. Es ist nicht nur eine Frage der Ausbildung, sondern auch der Zukunft der psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland.

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Ein wenig Licht am Ende des Tunnels: Psychotherapeuten in Weiterbildung (PiW) können mittlerweile für ihre Behandlungsleistungen von den Krankenkassen vergütet werden. Ein fester Anteil dieser Vergütung geht an die Weiterbildungsstätten und muss an die PiWs weitergegeben werden. Diese Regelung gilt auch für PiAs, die ihre Ausbildung bereits begonnen haben. Für diese gibt es jetzt eine Mindestvergütung von 1.000 Euro monatlich während der praktischen Tätigkeit, was eine Erleichterung darstellt. Aber ist das genug? Das bleibt abzuwarten.

Die anhaltende Ungewissheit und die Herausforderungen, vor denen die angehenden Psychotherapeuten stehen, erfordern nicht nur Geduld, sondern auch Engagement. Judith Kappmeyer und ihre Kommilitonen setzen sich aktiv für ihre Ausbildung ein und nehmen an Protesten teil. Es bleibt zu hoffen, dass die politischen Entscheidungsträger die Notwendigkeit einer klaren Regelung erkennen und bald handeln. Denn es geht hier nicht nur um die Zukunft der Studierenden, sondern um die psychische Gesundheit unserer Gesellschaft.