In der sich stetig wandelnden Welt der Medizin ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Bedürfnisse aller Patient:innen angemessen berücksichtigt werden. Die Ulmer Chirurgin Ann-Kathrin Lederer hat dies erkannt und bietet zusätzliche Workshops an, die sich mit Geschlechterrollen in der Medizin und den damit verbundenen Bedürfnissen der Patient:innen befassen. In diesen Workshops werden Themen wie Scham, Intimität und Grenzüberschreitungen im Klinikalltag behandelt – Aspekte, die oft im hektischen Klinikbetrieb in den Hintergrund gedrängt werden. Dabei spielt der Perspektivenwechsel eine zentrale Rolle, um professionelles Handeln zu reflektieren und zu verbessern.

Prof. Dr. Heike Kielstein, Dekanin der Medizinischen Fakultät der MLU, hebt die Bedeutung einer gendersensiblen Medizin hervor. Diese soll nicht nur die Qualität in Ausbildung, Forschung und Versorgung steigern, sondern auch einen Beitrag zu einer Medizin leisten, die sowohl biologische als auch soziale Geschlechteraspekte berücksichtigt. Die Gastprofessur, die an die Universitätsklinik und Poliklinik für Viszerale, Gefäß- und Endokrine Chirurgie an der Universitätsmedizin Halle angebunden ist, wird ein Semester lang angeboten und hat das Ziel, die medizinische Ausbildung nachhaltig zu prägen.

Die Rolle der gendersensiblen Medizin

Die Sicherheit der Patientinnen und Patienten hat für Ärztinnen und Ärzte höchste Priorität. In der gendersensiblen Medizin werden die biologischen und soziokulturellen Unterschiede zwischen Männern und Frauen zunehmend berücksichtigt. Dies trägt nicht nur zur Verbesserung der medizinischen Versorgung bei, sondern auch zur Förderung der Patientensicherheit. Der aktuelle Stand der gendersensiblen Medizin sowie Hindernisse und Verbesserungsbedarf wurden jüngst in einem Vodcast thematisiert. Zu den Diskussionsgästen zählten unter anderem Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, und Prof. Dr. Sabine Oertelt-Prigione, die als Expertin für geschlechtersensible Medizin gilt.

Die Relevanz der gendersensiblen Medizin wird auch durch die Forschung untermauert. Studien haben gezeigt, dass geschlechtsspezifische Ansätze in der Gesundheitsversorgung entscheidend für den Behandlungserfolg sind. So weisen Canto et al. (2012) beispielsweise auf den Zusammenhang von Alter und Geschlecht mit Symptomen eines Myokardinfarkts hin. Auch die Integration von Geschlecht und Geschlechtermedizin in medizinische Curricula wird als notwendig erachtet, um neue Generationen von Mediziner:innen für diese Thematik zu sensibilisieren.

Forschung und Weiterentwicklung

Die Forschung zur gendersensiblen Medizin ist in vollem Gange und zeigt, dass es noch viel zu tun gibt. Bartig et al. (2021) haben Diskriminierungsrisiken und den Bedarf an Diskriminierungsschutz im Gesundheitswesen analysiert, um die medizinische Versorgung für alle Geschlechter zu verbessern. Darüber hinaus beleuchtet die Arbeit von Oertelt-Prigione (2023) die Operationalisierung von Geschlecht in der Medizin und deren Auswirkungen auf die Behandlung.

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Die Entwicklung in der gendersensiblen Medizin ist unverzichtbar, um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Patient:innen einzugehen. Der Weg ist klar: Durch die Kombination von biologischen, sozialen und kulturellen Aspekten können wir eine umfassendere und gerechtere Gesundheitsversorgung schaffen. Es bleibt zu hoffen, dass die Initiativen wie die von Ann-Kathrin Lederer und die Diskussionen unter Fachleuten dazu beitragen, die gendersensible Medizin weiter voranzutreiben und letztlich die Patientensicherheit zu erhöhen.

Für weitere Informationen empfehlen wir folgende Quellen: Gendersensible Medizin in der Praxis, Bundesärztekammer zur gendersensiblen Medizin, und Bundesstiftung Gleichstellung über geschlechtersensible Medizin.