Die globale Gesundheitskrise ist mittlerweile ein drängendes Thema, das nicht nur Fachleute, sondern auch jeden von uns betrifft. Ein Konsortium aus 64 Expert:innen, das 72 Einrichtungen auf 5 Kontinenten vereint, hat kürzlich zwei Konsens- und Policy-Brief Reports veröffentlicht, die sich mit der Bekämpfung von Zivilisationserkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes befassen. Diese Erkrankungen sind verantwortlich für alarmierende 75 % aller weltweiten Todesfälle, wobei der Anteil in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen sogar auf 82 % steigt. In der europäischen Region sind es gar 90 % der Todesfälle, die auf diese Zivilisationserkrankungen zurückzuführen sind. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzt das Konsortium auf gesunde Ernährung und einen aktiven Lebensstil, zusammengefasst unter dem Motto HEAL – Healthy Eating & Active Living.
Die Empfehlungen sind klar: Eine vollwertige, überwiegend pflanzliche Ernährung sowie tägliche Bewegung im Freien sollen zum neuen Standard werden. Die Berichte fordern nicht nur ein schnelles Handeln, sondern auch eine grundlegende Reform der Ausbildung im Gesundheitswesen. Ein Paradigmenwechsel ist nötig, weg von einer krankheitsfokussierten hin zu einer personenzentrierten Gesundheitsversorgung. Hierbei spielt die Prävention eine zentrale Rolle: Diese soll in einem Verhältnis von 3:1 gegenüber der Therapie priorisiert werden. Das bedeutet konkret, dass Lebensstilberatung vor der Verschreibung von Medikamenten stehen sollte und dass Schulen verpflichtet werden sollten, Lebensstil-Bildung in ihre Lehrpläne aufzunehmen.
Langzeitfolgen von SARS-CoV-2: Ein neues Gesundheitskapitel
Die Corona-Pandemie hat nicht nur kurzfristige gesundheitliche Auswirkungen, sondern auch Langzeitfolgen, die sich selbst bei milden Verläufen zeigen können. Long COVID ist ein Phänomen, das durch anhaltende Symptome wie Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und Kurzatmigkeit gekennzeichnet ist. Diese Beschwerden können bis zu vier Wochen nach der akuten Infektion auftreten und sind oft schwer zu erklären. Um dem entgegenzuwirken, hat Deutschland beim G7-Treffen der Gesundheitsminister 2023 eine Forschungsinitiative für Long COVID Erkrankte ins Leben gerufen. Auch beim G20-Treffen wurde das Thema vorgebracht, und es sind bereits Mittel von rund 2 Millionen Euro im EU4Health-Arbeitsprogramm 2024 eingeplant, um die Forschung zu unterstützen.
Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat eine umfassende Informationsplattform zu Long COVID ins Leben gerufen, die FAQs, Kliniklisten und wissenschaftliche Literaturempfehlungen umfasst. Diese Inhalte sind in mehreren Sprachen verfügbar, darunter Englisch, Türkisch und Russisch, um eine breite Zielgruppe zu erreichen. Der Fokus liegt auf dem besseren Verständnis des Krankheitsbildes und der Verbesserung der Versorgung durch den Austausch von Experten innerhalb eines europäischen Netzwerks.
Ein Blick auf die globale Gesundheitslage
Die Coronavirus-Pandemie hat die Welt auf viele Arten herausgefordert. Sie begann Anfang 2020 und führte zu einer tiefgreifenden Veränderung in der globalen Gesundheits- und Gesellschaftsordnung. Lockdowns und Grenzschließungen haben nicht nur die Wirtschaft belastet, sondern auch bestehende Ungleichheiten verschärft. Laut dem Sustainable Development Goals Report 2022 ist die Rate extremer Armut von 8,3 % im Jahr 2019 auf 9,2 % im Jahr 2020 gestiegen, was die Dringlichkeit einer effektiven Gesundheitsversorgung unterstreicht. Gesundheitssicherheit wird zunehmend als nicht-traditionelle Sicherheitsbedrohung wahrgenommen, und internationale Organisationen wie die WHO und der VN-Sicherheitsrat haben begonnen, gesundheitliche Notfälle in ihre Agenda aufzunehmen.
Die Pandemie hat die Notwendigkeit einer besseren internationalen Zusammenarbeit und Vorbereitung auf zukünftige Gesundheitskrisen betont. Diskussionen über einen neuen internationalen Pandemievertrag sind im Gange, um zukünftigen Herausforderungen effektiver begegnen zu können. Allerdings bleibt die Umsetzung solcher Vorschläge oft zeitaufwendig. Zudem wird deutlich, dass der Klimawandel und der Verlust der Artenvielfalt das Risiko für zukünftige Infektionsausbrüche erhöhen.
Insgesamt zeigt sich, dass sowohl die Bekämpfung von Zivilisationserkrankungen als auch die Bewältigung der Langzeitfolgen von COVID-19 eine gemeinsame Anstrengung erfordern. Die Empfehlungen des Konsortiums und die Initiativen zur Erforschung von Long COVID sind wichtige Schritte in die richtige Richtung. Um die Gesundheitsversorgung für alle zu verbessern, bedarf es jedoch eines tiefgreifenden Wandels in der Health-Policy, der Ausbildung und der Forschung.
Um mehr über die globale Gesundheitskrise und mögliche Lösungen zu erfahren, können Sie die umfassenden Berichte und Informationen unter diesem Link sowie die Ressourcen des Bundesgesundheitsministeriums über Long COVID unter diesem Link einsehen.