Wir leben in einer Zeit, in der die Lebensmittelindustrie boomt und unser Speiseangebot so vielfältig ist wie nie zuvor. Doch nicht alles, was glänzt, ist Gold. Hochverarbeitete Lebensmittel, die oft als gesund gelten, sind nicht selten ein Trugbild. Diese sogenannten Ultra-Processed Foods (UPFs) durchlaufen zahlreiche industrielle Verarbeitungsschritte und kommen in vielen Formen daher – von Softdrinks über Fertiggerichte bis hin zu Snacks und Süßigkeiten. Eine aktuelle Studie im Fachjournal The BMJ hat alarmierende Erkenntnisse zutage gefördert: Der Konsum von UPFs soll das Risiko für mehr als 30 gesundheitliche Probleme erhöhen, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Leiden. Das klingt nicht gerade nach einer Einladung zum Schlemmen!

Dr. Emma Beckett von der University of New South Wales hat sich intensiv mit den Ergebnissen einer Untersuchung der Forschungsfirma FOODiQ Global beschäftigt. Sie warnt, dass viele Schlagzeilen über erhöhte Krankheitsrisiken oft missverstanden werden. Diese beziehen sich häufig auf die Gesamtbevölkerung und nicht auf das Individuum. Was für den einen schädlich sein könnte, mag für den anderen unbedenklich sein. Das macht das Thema nicht einfacher, oder? In der Tat gibt es einige Produkte, die als gesund gelten, aber dennoch hochverarbeitet sind. Ein Beispiel sind pflanzliche Milchalternativen. Während die Kuhmilch oft nur minimal verarbeitet ist, steckt hinter Pflanzenmilch ein ganz anderer Aufwand. Und auch bei Smoothies ist Vorsicht geboten: Handelsübliche Varianten enthalten nicht selten Fruchtsaftkonzentrate, Zuckerzusätze und allerlei Zusatzstoffe.

Die Vielfalt der hochverarbeiteten Lebensmittel

Ein weiteres Beispiel sind Fleischersatzprodukte. Diese erfreuen sich wachsender Beliebtheit, aber oft sind sie stark verarbeitet, auch wenn sie aus Pflanzen bestehen. Trinkmahlzeiten sind ein weiteres Kapitel für sich: Sie enthalten zwar essentielle Nährstoffe, aber keine Bioaktiva und können so zu einseitiger Ernährung führen. Und wie steht’s mit Frühstückscerealien? Einige sind wirklich gesund, doch die meisten sind eher zuckerreich und hochverarbeitet. Fitnessriegel – die vermeintlichen Energielieferanten für Sportler – können ebenfalls eine versteckte Zuckerfalle sein. Es ist also nicht alles Gold, was glänzt!

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat sich auf einer Arbeitstagung intensiv mit der Definition von „hochverarbeitet“ beschäftigt. Dabei gibt es keine einheitliche Definition für hochverarbeitete Lebensmittel. Die häufig verwendete NOVA-Klassifikation teilt Lebensmittel nach ihrem Verarbeitungsgrad, den Zutaten und der Verpackung ein. Das macht es nicht einfacher, denn NOVA betrachtet nur die industrielle Verarbeitung und lässt die Küchenpraktiken zu Hause außen vor. Gewerbliches Apfelmus wird beispielsweise als stark verarbeitet (NOVA 3 oder 4) eingestuft, während selbstgemachtes Apfelmus als unverarbeitet gilt (NOVA 1). Ein klarer Fall von „Wer viel kocht, gewinnt“!

Gesundheitliche Risiken und die Rolle der Ernährung

Die Folgen eines hohen Konsums von hochverarbeiteten Lebensmitteln sind besorgniserregend. UNICEF berichtet, dass jeder fünfte Mensch im Alter von fünf bis 19 Jahren weltweit übergewichtig ist, und jeder Zehnte sogar fettleibig. Übergewicht ist ein Risikofaktor für Krankheiten wie Adipositas, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen. Die ständige Verfügbarkeit und Vermarktung von zuckerhaltigen Getränken, salzigen und süßen Snacks sowie Fast Food sind Haupttreiber für viele dieser Erkrankungen. Das ist nicht nur ein Problem für Erwachsene, sondern auch für Kinder und Jugendliche, wie viele Studien zeigen.

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Die Zusammenhänge zwischen dem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel und der Gesundheit sind komplex und erfordern weitere Untersuchungen. Wissenschaftler arbeiten daran, neue Definitionen zu entwickeln und mehr Daten über die Verarbeitung von Lebensmitteln zu sammeln, insbesondere bei Alternativprodukten. Auch die Nachhaltigkeit von UPFs, inklusive Energieeinsatz und Rohstoffherkunft, wird in der Forschung oft vernachlässigt. Dabei könnte eine differenzierte Betrachtung der gesundheitlichen Risiken bestimmter Lebensmittelgruppen durchaus hilfreich sein.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass hochverarbeitete Lebensmittel nicht per se gesundheitsschädlich sind, solange sie Teil einer ausgewogenen Ernährung sind. Dr. Beckett betont, dass die Wahl der Lebensmittel im Kontext der gesamten Ernährung und Lebensziele betrachtet werden sollte. Die Balance macht’s – und die Achtsamkeit beim Einkauf erst recht! Wenn wir uns bewusst für unsere Lebensmittel entscheiden, können wir nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch unser Wohlbefinden steigern. Ach, das Leben ist doch einfach schön, wenn wir wissen, was wir essen!