Am 1. Mai 2026 versammelten sich in Frankfurt am Römerberg etwa 5.000 Menschen, um an der Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) teilzunehmen. Unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ trugen die Demonstrierenden auffällige „Tarif Fighter“-Cowboyhüte und hielten Schilder mit provokanten Slogans wie „Merz Leck Eier“ und „Finger Weg von meinem 8-Stunden-Tag“. Die Kundgebung beschäftigte sich nicht nur mit den drängenden Themen der Arbeitswelt, sondern auch mit politischen und sozialen Belangen, wie den Kürzungen in der Psychotherapie und Rufen nach internationaler Solidarität, insbesondere mit der Palästinenserfrage.

Die DGB-Jugend machte mit ihren Forderungen auf sich aufmerksam, darunter „Bildung statt Rüstung“, „Bafög für alle“ und „Azubiwohnheime“. Eine 29-jährige Sozialarbeitsstudentin namens Luca sprach über die Bedeutung der Arbeiterklasse und betonte die Notwendigkeit von mehr Gehalt und Gerechtigkeit für Sozialarbeiter:innen. Sie äußerte auch ihre Ängste vor einer möglichen Rückkehr des Faschismus und die wachsende Sorge über die Erstarkung von Rechtspopulisten, insbesondere der AfD. Eine 77-jährige Demonstrantin hingegen freute sich über die Teilnahme junger Menschen und forderte eine bessere Kinderbetreuung.

Vielfältige Stimmen und Forderungen

DGB-Chef Philipp Jacks ermahnte während der Rede von Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) den „Pro Palästina“-Block, der für Unruhe sorgte. Josef betonte, dass der 1. Mai kein deutscher Feiertag sei, sondern ein Tag der internationalen Solidarität. Diese Botschaft fand auch in München Gehör, wo die Polizei die Teilnehmerzahl auf rund 5.000 schätzte, während der DGB von knapp 6.000 sprach. Die Münchener Kundgebung führte von der Arbeitsagentur zum Rathaus und bot eine Plattform für zahlreiche Transparente mit Botschaften wie „7 Stunden, 5 Tage per Gesetz“ und „Psychotherapie darf kein Luxus sein“.

In München sprach die DGB-Vorsitzende Simone Burger sich klar für den Acht-Stunden-Tag und die Beibehaltung des Maifeiertags aus. Sie kritisierte die Wahrnehmung der Arbeitsmoral und betonte, dass die Gewerkschaften sich nicht kampflos zurückziehen würden. Die Themen, die in beiden Städten angesprochen wurden, waren vielfältig und reichten von der geplanten Gesundheitsreform, die als ungerecht kritisiert wurde, bis hin zu Forderungen nach „Busse statt Bomben“ und gegen die Wehrpflicht.

Der Kontext der Kundgebungen

Der 1. Mai hat seine Wurzeln in den USA, wo 1886 Arbeiter für einen Achtstundentag demonstrierten. In Deutschland wurde dieser Tag 1890 als Tag der Arbeiterbewegung etabliert und nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 als Feiertag bestätigt. Traditionell stehen an diesem Tag die Forderungen der Arbeitnehmer im Mittelpunkt, darunter höhere Löhne, bindende Tarifverträge und der Erhalt des Achtstundentages. In den letzten Jahren hat sich der Arbeitsmarkt durch Globalisierung, Klimawandel und Digitalisierung stark verändert, was die Mobilisierung für solche Kundgebungen erschwert. Die Mitgliederzahlen bei Gewerkschaften sind gesunken, und während 1960 noch 750.000 Menschen an Maikundgebungen in West-Berlin teilnahmen, waren es 2025 nur noch 11.000.

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Die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind ebenfalls herausfordernd. 2026 stieg die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland auf über drei Millionen, und die Arbeitslosenquote lag bei 6,4 Prozent. Trotz dieser Herausforderungen bleibt das Motto für den Tag der Arbeit 2026 „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“, was die Dringlichkeit und Entschlossenheit der Gewerkschaften unterstreicht, für die Rechte der Arbeitnehmer einzutreten.

Für weiterführende Informationen zu den Entwicklungen am 1. Mai und den aktuellen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt, besuchen Sie diese Seite und hier.