Gruppentherapie – ein Begriff, der oft mit Skepsis beäugt wird. Viele denken sofort an den Austausch in einem Raum voller Fremder, an Unbehagen und vielleicht an das Gefühl, bloßgestellt zu werden. Doch weit gefehlt! Denn das, was hinter diesen Therapiesitzungen steckt, ist mehr als nur ein weiteres Gespräch. Tatsächlich zeigen wissenschaftliche Studien, dass Gruppentherapien in ihrer Effektivität vergleichbar sind mit Einzeltherapien. In Deutschland finden jedoch erschreckende 97% der ambulanten Psychotherapien als Einzelbehandlungen statt. Hier besteht ein gewaltiges Ungleichgewicht, das es zu hinterfragen gilt.

In der Gruppentherapie, da wird nicht nur im Zwiegespräch gearbeitet. Hier kommen mehrere Patienten zusammen, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Das kann unglaublich bereichernd sein! Es gibt strukturierte Formate, die einem klaren Plan folgen, und offene Formate, bei denen die Inhalte aus den Erlebnissen und Gesprächen der Mitglieder entstehen. So hat jeder die Möglichkeit, seine Sichtweisen und Erfahrungen einzubringen. Und das ist der Schlüssel: Der Austausch fördert nicht nur Erkenntnisse, sondern auch soziale Kompetenzen. Oft wird man durch das Feedback von anderen auf neue Perspektiven gestoßen, die einem helfen, persönliche Schwierigkeiten zu bewältigen.

Die Vorteile der Gruppentherapie

Was kann Gruppentherapie also bieten? Ein ganzes Bündel an Vorteilen! Die Gruppen bieten einen optimalen Kontext zur Bearbeitung von Beziehungsmustern. Hier kann man nicht nur seine eigenen Emotionen besser kennenlernen, sondern auch die Dynamiken innerhalb der Gruppe nutzen, um an sich zu arbeiten. Es ist erstaunlich, wie viel Raum zur persönlichen Entwicklung entsteht, wenn man die Gedanken und Gefühle anderer Menschen hört. Manchmal entdeckt man in den Geschichten der anderen einen Teil von sich selbst – das kann sehr heilsam sein.

Doch es gibt auch Herausforderungen. Soziale Dynamiken können entstehen, und nicht jeder mag die aktive Teilnahme. Das ist jedoch essenziell, um den vollen Nutzen aus der Therapie zu ziehen. Wichtige Fragen sind: Wie gehe ich mit Konflikten um? Was passiert, wenn ich mich zurückziehe oder mit Groll auf die Gruppe reagiere? Gerade in solchen Momenten ist es wichtig, das Gespräch mit der Therapeutin oder dem Therapeuten zu suchen. Denn die Therapie soll ja helfen, nicht schaden.

Die Realität der Gruppentherapie

Faszinierenderweise wird Gruppenpsychotherapie in der ambulanten Versorgung eher selten angeboten, obwohl ihre Wirksamkeit gut belegt ist. Experten haben sich auf einem Symposium der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) über die Gründe und Vorteile von Gruppenbehandlungen ausgetauscht. Der Bundesvorsitzende der DPtV, Gebhard Hentschel, hebt hervor, wie wertvoll das soziale Setting der Gruppe ist. Leider bieten nur 300 von 8.500 berechtigten Psychotherapeuten Gruppenpsychotherapie an – das sind nur 1-3% aller Therapien! In vielen Landkreisen gibt es kaum Angebote, besonders für Kinder und Jugendliche.

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Ein weiterer Punkt, der in der Diskussion oft zur Sprache kommt, sind die Kontraindikationen für Gruppentherapie. Akute psychotische Störungen oder bestimmte Persönlichkeitsstörungen sind klare No-Gos. Dennoch kann Gruppentherapie für Kinder und Jugendliche eine große Unterstützung sein, um Erlebnisse zu verarbeiten, soziale Ängste abzubauen und aggressives Verhalten zu mindern. Hier sind oft auch Gruppentherapien für die Eltern von psychisch kranken Kindern hilfreich.

Die Zukunft der Gruppentherapie

Die Coronapandemie hat die Situation zusätzlich erschwert. Sicherere Videobehandlungen fehlen oft, und viele Gruppentherapien wurden in Einzeltherapien oder geteilte Gruppen umgewandelt. Das ist alles andere als optimal. Die Reform der Psychotherapie-Richtlinie von 2017 erlaubt nun Gruppen mit 3-9 Teilnehmern und die Kombination von Einzel- und Gruppenpsychotherapie – ein Schritt in die richtige Richtung! Auch das Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz von 2019 hat den bürokratischen Aufwand für Gruppenpsychotherapie-Anträge reduziert. Es bleibt jedoch viel zu tun.

Die BARGRU-Studie wird bald erste Ergebnisse zu den Barrieren in der ambulanten Versorgung vorstellen. Vielleicht gibt es dann neue Ansätze, um die Gruppentherapie weiter zu fördern. Es ist klar: Die Vorteile sind da, die Herausforderungen auch. Und vielleicht ist es an der Zeit, dass mehr Menschen diese Form der Therapie für sich entdecken. Wer weiß, vielleicht könnte die nächste große Erkenntnis durch die Erfahrungen anderer in einer Gruppe aufblühen.