Die Berberaffen von Gibraltar, auch bekannt als Macaca sylvanus, stehen im Mittelpunkt eines faszinierenden Verhaltensforschungsprojekts. Diese charmanten Tiere sind nicht nur eine Hauptattraktion auf dem Affenfelsen, sondern auch ein Beispiel dafür, wie Tierverhalten sich an menschliche Einflüsse anpassen kann. Die Affen haben begonnen, Snacks von Touristen zu stehlen, darunter Chips, Eis und Kekse, was zu unangenehmen Verdauungsbeschwerden führt. Wissenschaftler der Universität Cambridge untersuchen nun, wie diese Affen mit den Folgen ihrer ungesunden Ernährung umgehen.
Die untypische Nahrung der Berberaffen umfasst Lebensmittel, die reich an Zucker, Salz und Milchprodukten sind. Diese Nahrungsmittel stehen in starkem Gegensatz zu ihrer natürlichen Kost, die hauptsächlich aus Kräutern, Blättern, Samen und gelegentlich Insekten besteht. Um die Magenbeschwerden, die durch den Konsum von Junkfood entstehen, zu lindern, haben die Affen ein bemerkenswertes Verhalten entwickelt: Sie fressen Erde, was als Geophagie bezeichnet wird. Diese Praxis könnte nicht nur als natürlicher Puffer gegen Magenbeschwerden wirken, sondern auch dazu beitragen, Bakterien und Mineralien aufzunehmen, die in der menschlichen Nahrung fehlen.
Faszination Geophagie
Forscher haben dokumentiert, dass zwischen Sommer 2022 und Frühjahr 2024 insgesamt 46 Fälle von Erde fressenden Berberaffen beobachtet wurden. Besonders auffällig ist, dass in drei Fällen die Affen Erde direkt nach dem Verzehr von ungesundem Essen konsumierten. Diese Anpassung an die von Touristen angebotene Nahrung könnte langfristige negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Tiere haben. Junkfood macht im Durchschnitt fast ein Fünftel ihrer gesamten Ernährung aus, obwohl das Füttern der Wildtiere offiziell verboten ist. Besonders in Gebieten mit hohem Touristenaufkommen wurde eine verstärkte Geophagie festgestellt.
Das Verhalten der Berberaffen spiegelt nicht nur ihren Anpassungsprozess an eine sich verändernde Umwelt wider, sondern wirft auch Fragen zu den langfristigen Folgen menschlicher Einflüsse auf die Tierwelt auf. Die Vorliebe für bestimmte Bodenarten variiert je nach sozialer Gruppe der Affen, was darauf hindeutet, dass dieses Verhalten nicht nur eine individuelle, sondern auch eine soziale Komponente hat.
Einzigartigkeit der Berberaffen
Die Berberaffen sind ursprünglich in Nordafrika heimisch, und ihre Ankunft in Europa ist ein Rätsel, das möglicherweise in die Zeit der maurischen Herrschaft im Mittelalter zurückreicht. Ihre Fähigkeit, sich an die ungesunde, kalorienreiche Nahrung anzupassen, zeigt, wie flexibel und anpassungsfähig diese Tiere sind. Dennoch bleibt abzuwarten, wie sich diese Veränderungen langfristig auf ihr natürliches Verhalten und ihre Gesundheit auswirken werden.
Insgesamt stellt das Verhalten der Berberaffen von Gibraltar ein spannendes Beispiel für die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur dar. Es verdeutlicht, wie wichtig es ist, den Lebensraum dieser Tiere zu schützen und verantwortungsbewusst mit der Natur umzugehen. Für weitere Informationen zu diesem Thema können Sie die Artikel auf Bild und Geo nachlesen.
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