Krebsmedizin im Schatten der Pandemie: Herausforderungen und Hoffnungen
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Gesundheitsversorgung waren, um es milde auszudrücken, alles andere als einfach. Besonders in der Krebsmedizin standen viele vor Herausforderungen, die niemand so recht vorhersehen konnte. Mit dem ersten Lockdown im Jahr 2020 begannen die Krankenhäuser, Operationen, auch die für Tumorentfernungen, zu verschieben. Eine Studie der Universitätsmedizin Halle hat sich nun eingehend mit den Effekten dieser Verzögerungen auf Krebspatienten beschäftigt.
Insgesamt wurden Daten von über 17.000 Patienten analysiert, die zwischen Ende März und Mitte September 2020 operiert wurden. Die Wartezeit auf Operationen betrug meist drei bis vier Wochen, und in 85 Prozent der Fälle fanden die Eingriffe innerhalb von elf Wochen statt. Die häufigsten Krebsarten, die untersucht wurden, umfassten unter anderem Brustkrebs, der fast ein Fünftel der Fälle ausmachte. Erstaunlicherweise war in mehr als 90 Prozent der Fälle eine vollständige Tumorentfernung möglich, unabhängig von den Wartezeiten. Das klingt ja fast nach einer guten Nachricht. Eine längere Wartezeit hatte keinen Einfluss auf die Sterblichkeit nach 30 Tagen, was die Frage aufwirft, wie stark Verzögerungen tatsächlich ins Gewicht fallen.
Die Situation in der Schweiz
Die Lage in der Schweiz war im Vergleich dazu etwas anders. Eine Untersuchung des Nationalen Instituts für Krebsepidemiologie und Registrierung (NICER) hat die Auswirkungen der Pandemie auf Krebsbetroffene in der Schweiz unter die Lupe genommen. Über 200.000 Krebsfälle wurden dabei analysiert, und die Ergebnisse sind durchaus aufschlussreich. Während des Lockdowns im Frühling 2020 sanken die Diagnosen beträchtlich – bei Prostatakrebs um 29 Prozent und bei Brustkrebs sogar um fast 40 Prozent. Schockierend, oder? Dennoch blieben die Überlebensraten nach einem Jahr im Vergleich zu den Vorjahren unverändert. Das klingt fast wie ein Wunder in all dem Chaos.
Der Onkologe Andreas Wicki hat betont, dass die Screenings für langsam wachsende Tumoren während der Pandemie wichtig waren und die Routineversorgung in der Schweiz erstaunlich gut aufrechterhalten wurde. Die Rahmenbedingungen waren relativ liberal, was die Fortführung der Diagnostik und Therapien ermöglichte. Im Vergleich zu anderen Ländern konnte das Gesundheitswesen in der Schweiz die Herausforderungen besser bewältigen. Das ist ein Lichtblick in einer ansonsten düsteren Zeit.
Ein Blick auf die Studienlage
Die Auswirkungen der Pandemie auf die Krebsvorsorge wurden auch in Deutschland gründlich untersucht. Eine Befragung des DKFZ und das CancerCOVID-Projekt zeigten, dass seit Beginn der Pandemie viele regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen nicht wahrgenommen wurden und Therapien verschoben wurden. Besonders bei Patienten mit kolorektalem Karzinom stieg das Sterberisiko bei einer vierwöchigen Operationsverschiebung um 6 bis 8 Prozent. Das ist gewaltig, wenn man darüber nachdenkt. Und nicht nur das – eine mehrmonatige Verzögerung bei der Diagnose konnte das 10-Jahres-Überleben erheblich mindern. Da wird einem schon ganz anders, wenn man die Zahlen liest.
Viele klinische Studien mussten aufgrund mangelnder Teilnehmer gestoppt werden, was die Forschung erheblich beeinträchtigte. Eine Umfrage unter 621 Krebsbetroffenen ergab, dass ein Drittel Ängste bezüglich COVID-19 und der medizinischen Versorgung entwickelte. Der Stress, den die Pandemie auf diese bereits belasteten Menschen ausübte, war enorm. Hohe Angst- und Depressionslevel wurden festgestellt – und das in einer Zeit, in der Unterstützung und Stabilität so nötig sind. Tageskliniken mussten schließen, was zusätzliche Unsicherheiten erzeugte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Pandemie nicht nur die medizinische Versorgung, sondern auch die psychische Gesundheit der Betroffenen stark beeinflusste.
So bleibt zu hoffen, dass wir aus diesen Erfahrungen lernen und die Krebsvorsorge sowie die Behandlung von Patienten in Zukunft resilienter gestalten können. Es gibt noch viel zu tun, aber die ersten Schritte sind gemacht – und das ist schon mal ein Anfang.
