Heute ist der 21.04.2026, und wir werfen einen Blick auf die spannende Arbeit von Sigrid März, einer freien Wissenschaftsjournalistin und Redakteurin mit einem klaren Fokus auf evidenzbasierte Medizin. März, die auch Co-Gründerin der „Investigativstation“ ist, einem Recherchekollektiv, das sich für Gesundheits- und Verbraucherschutzthemen stark macht, hat sich in der Vergangenheit bereits als Journalist für das Online-Medium MedWatch einen Namen gemacht. Ihre journalistische Arbeit ist nicht nur bemerkenswert, sondern auch mehrfach ausgezeichnet worden, darunter mit dem Journalistenpreis „Evidenzbasierte Medizin in den Medien“.

Aktuell ist sie als Journalist in Residence am IPB tätig, wo sie sich mit einem historischen Arzneimittelfall beschäftigt, der im Verdacht steht, Fehlbildungen bei Ungeborenen verursacht zu haben. Dieser Fall ist besonders bedeutend, da viele Betroffene um Anerkennung kämpfen und er grundlegende Fragen zu Gender-Bias in der Medizin sowie zu strukturellen Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung aufwirft. Erkrankungen, die überwiegend Frauen betreffen, sind oft unterforscht und stigmatisiert, weswegen Sigrid März in ihrem Aufenthalt am IPB gezielt die Perspektiven der Frauengesundheit und deren Herausforderungen beleuchten möchte.

Die Herausforderungen in der Frauengesundheit

In ihrem Projekt möchte März unter anderem die Frage aufwerfen, ob ein vergleichbarer Fall in der heutigen Zeit noch möglich wäre. Hierbei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, die die Gesundheit von Frauen beeinflussen – seien es psychologische, soziale, politische oder ökonomische Aspekte. Ein zentraler Punkt ist der Zugang zur Gesundheitsversorgung sowie die Relevanz von reproduktiven Rechten und Migration für die medizinische Versorgung und Forschung. Das IPB bietet dafür mit seiner interdisziplinären Ausrichtung in Medizin, Psychologie, Sozialwissenschaften und Public Health einen idealen Resonanzraum.

Ein oft übersehenes Problem in der Medizin ist der Gender Bias, der strukturelle Verzerrungen beschreibt, die aufgrund des Geschlechts entstehen. Frauen werden in der medizinischen Forschung häufig falsch diagnostiziert, und es fehlen belastbare Daten zu Medikamentenwirkungen, insbesondere in sensiblen Lebensphasen wie den Wechseljahren. So werden zum Beispiel typische Symptome von Herzinfarkten vorwiegend an männlichen Probanden definiert, während weibliche Symptome wie Übelkeit und Rückenschmerzen lange nicht berücksichtigt wurden. Diese systematischen Ungleichheiten verdeutlichen, dass die medizinische Versorgung und Forschung oft auf männliche Referenzgruppen ausgerichtet sind.

Die Notwendigkeit geschlechtersensibler Medizin

Die internationale medizinische Gemeinschaft erkennt zunehmend die Bedeutung einer geschlechtersensiblen Medizin an, die biologische und soziale Unterschiede zwischen den Geschlechtern berücksichtigt. Der Gendered Innovations 2 Report der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2020 empfiehlt, geschlechtsspezifische Perspektiven systematisch in Forschung und Entwicklung zu integrieren. In Deutschland begann die institutionelle Verankerung von Genderperspektiven im Hochschulsystem erst spät, und geschlechterspezifische Lehrstühle sind in medizinischen Fakultäten nach wie vor die Ausnahme. Dies führt zu einer Marginalisierung geschlechtsspezifischer Fragestellungen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Ein weiterer Aspekt, der nicht außer Acht gelassen werden darf, ist die Tatsache, dass Frauen in klinischen Studien oft unterrepräsentiert sind, insbesondere in frühen Phasen der Forschung. Die biologische Variabilität von Frauen wird häufig als Ausschlusskriterium verwendet, was die Forschung zu weiblichen Gesundheitsbedürfnissen erheblich behindert. Das Default-Male-Paradigma ist in vielen Lehrmaterialien und medizinischen Ausbildungen nach wie vor vorherrschend und führt zu Defiziten in der Berücksichtigung weiblicher Gesundheit.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Arbeit von Sigrid März am IPB nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung über Frauengesundheit und Gender-Bias leisten wird, sondern auch dazu anregen kann, bestehende Strukturen zu hinterfragen und notwendige Veränderungen in der medizinischen Forschung und Praxis voranzutreiben. Der Dialog zwischen Forschung und Journalismus, den das „Journalist in Residence“-Programm des IPB fördert, ist ein bedeutender Schritt in Richtung einer evidenzbasierten Auseinandersetzung mit Gesundheitsthemen und könnte dazu beitragen, dass künftig mehr Aufmerksamkeit auf die spezifischen Bedürfnisse von Frauen gelenkt wird.