Heute ist der 14.05.2026 und in der Welt der Medizin gibt es wieder Neuigkeiten, die für Aufregung sorgen. Die Universitätsmedizin Mainz hat im Mai eine Online-Befragung für Patienten gestartet, die Cannabis zu therapeutischen Zwecken nutzen. Das Ziel dieser Erhebung? Lücken in der Forschung zu Medizinalcannabis zu schließen und wertvolle Einblicke in die tatsächliche Nutzung und die Begleitwirkungen zu gewinnen. Wer hätte gedacht, dass eine Pflanze, die lange Zeit im Schatten stand, jetzt so in den Fokus rückt?

Die Befragung ist anonym und richtet sich an alle Patienten, die ein ärztlich verschriebenes Cannabis-Arzneimittel erhalten haben. Das ist ein wichtiger Punkt, denn trotz der Fortschritte in der Legalisierung gibt es noch viele offene Fragen – insbesondere hinsichtlich der Fahrtüchtigkeit unter Medikation. Die Projektleiterin, PD Dr. Cora Wunder von der Abteilung für Forensische Toxikologie, sowie ihr wissenschaftliches Team, bestehend aus Marica Hundertmark, André Ihlenfeld und Assaf Landschaft, haben sich dieser Herausforderung angenommen. Technisch unterstützt wird das Vorhaben von der Copeia GmbH, die die Plattform bereitstellt.

Die vier Themenblöcke der Befragung

Insgesamt werden vier Themenblöcke untersucht: Zum einen die Anwendungsformen wie Vaporisation, oraler Konsum oder Tinkturen. Dann geht es um die tatsächliche Dosierung im Alltag und das Spektrum der Begleitwirkungen – sowohl die gewünschten als auch die unerwünschten. Und last but not least wird die eigene Einschätzung der Fahrtüchtigkeit unter Cannabis-Medikation thematisiert. Vor allem Letzteres ist in der aktuellen politischen Debatte über Grenzwerte und den möglichen Entzug der Fahrerlaubnis von großer Bedeutung.

Die Relevanz dieser Befragung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Der Bundestag berät gerade über eine Verschärfung des Medizinal-Cannabisgesetzes, und belastbare Daten zur Versorgungslage fehlen bislang. Eine Erhebung, die Real-World-Daten in die klinische Forschung integriert, könnte hier entscheidende Impulse geben.

Der Weg zur Legalisierung und aktuelle Forschung

Seit März 2017 dürfen Ärzte in Deutschland Cannabis zu medizinischen Zwecken verschreiben. Im April 2024 wird eine Teillegalisierung den Zugang weiter erleichtern und Cannabis zu einem regulären Arzneimittel machen. Kliniken und Forschungseinrichtungen, darunter renommierte Universitätskliniken in Berlin, München, Heidelberg und Köln, sammeln systematisch Daten über die Wirksamkeit, Nebenwirkungen und die Einsatzgebiete von Cannabis. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat zwischen 2017 und 2022 bereits Daten von über 20.000 Patientenfällen erfasst.

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Besonders interessant ist, dass an der Charité in Berlin die Wirkung von Cannabis bei chronischen Schmerzen untersucht wird. Etwa 70 % der dokumentierten Fälle zeigen eine Verbesserung des Krankheitsbildes. Chronische Schmerzen sind die häufigste Indikation, gefolgt von Spastik und therapieresistenter Übelkeit. Die durchschnittliche Schmerzreduktion liegt bei etwa 30 %. Das zeigt, dass viele Menschen auf diese Therapieform angewiesen sind und die Ergebnisse durchaus vielversprechend sind.

Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Placebokontrollierte Doppelblindstudien sind bei Cannabis nicht einfach durchzuführen, und individuelle Reaktionen auf die Therapie können stark variieren. Dennoch zeigen immer mehr Ärzte Offenheit gegenüber Cannabis – 40 % sind bereit, es zu verschreiben, was einen deutlichen Wandel in der Wahrnehmung zeigt. Vorbehalte gibt es jedoch weiterhin, vor allem aufgrund der unzureichenden Studienlage und Unsicherheiten bei Dosierung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Krankenkassen die Kosten für medizinisches Cannabis übernehmen, wenn andere Therapien nicht ausreichend wirken. Die Bewilligungsquote liegt bei etwa 60-70 %. Das ist ein Lichtblick für viele Patienten, die auf diese Therapieform angewiesen sind.

Wir dürfen gespannt sein, welche neuen Erkenntnisse aus der aktuellen Befragung und den laufenden Studien hervorgehen werden. Die Zeit, in der Cannabis als Teufelszeug galt, scheint allmählich zu enden – und das ist gut so. Es bleibt zu hoffen, dass die gesammelten Daten nicht nur zur Schließung von Forschungslücken beitragen, sondern auch den betroffenen Menschen helfen, die Linderung finden, die sie dringend benötigen.