Die Regale in den Supermärkten sind voll von pflanzlichen Alternativen zur Kuhmilch. Hafer-, Soja- und Mandelmilch sind mittlerweile in vielen Kühlschränken zuhause. Die Diskussion darüber, ob diese Pflanzendrinks wirklich gesünder sind als die traditionelle Kuhmilch, wird immer lauter. Dabei sind viele der gängigen Annahmen über Pflanzendrinks nicht ganz so rosig, wie man es vielleicht denkt. Ein Blick auf die Fakten könnte da helfen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat in einem Positionspapier klar Stellung bezogen. Wenn es um die Nährstoffversorgung geht, ist Kuhmilch ein echtes Kraftpaket. Sie liefert gut verfügbares Eiweiß, Kalzium, Jod sowie wichtige Vitamine wie B2 und B12. Während Pflanzendrinks oft mit Nährstoffen angereichert werden müssen, um überhaupt eine ähnliche Nährstoffdichte zu erreichen, gibt es bei Bio-Pflanzendrinks sogar Einschränkungen: Laut EU-Öko-Verordnung dürfen sie keine zusätzlichen Nährstoffe enthalten, es sei denn, es ist gesetzlich vorgeschrieben.

Die Allergiker-Falle

Ein häufiges Argument für Pflanzendrinks ist, dass sie die bessere Wahl für Allergiker seien. Nun, das mag auf den ersten Blick zutreffen, doch oft verstecken sich auch hier unerwartete Allergene. Soja, Nüsse oder Gluten können in vielen dieser Produkte enthalten sein. Wenn man dann noch bedenkt, dass „Spuren von“ Allergenen durch Produktionsanlagen oder Lieferketten eingeschleppt werden können, wird das Bild etwas trüber.

Wenn es um Kinder geht, ist der Konsens etwas differenzierter. Kleinkinder brauchen bestimmte Nährstoffe für ihr Wachstum, die in Pflanzendrinks kaum vorkommen. Das bedeutet nicht, dass sie für alle Kinder schlecht sind, aber Experten empfehlen eine qualifizierte Ernährungsberatung, wenn Milchprodukte vom Speiseplan gestrichen werden sollen. Die Datenlage zu den langfristigen Auswirkungen von Pflanzendrinks auf die Gesundheit ist zudem dünn, was die Entscheidung nicht einfacher macht.

Soja und die Männlichkeit

Ein weiterer Mythos, der immer wieder kursiert, besagt, dass Sojamilch Männlichkeit raubt. Das ist schlichtweg nicht wahr! Wissenschaftliche Studien, einschließlich einer umfassenden Meta-Analyse, haben gezeigt, dass es keine messbaren Effekte von Sojalebensmitteln auf Hormonspiegel bei Männern gibt. Man kann also beruhigt ein Glas Sojamilch genießen, ohne sich Sorgen um seine Männlichkeit machen zu müssen.

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Die DGE empfiehlt dennoch, dass Menschen, die weniger oder keine Kuhmilch konsumieren, darauf achten sollten, ihre Nährstoffzufuhr auf andere Weise zu sichern. Eine pflanzenbetonte Ernährung kann viele Vorteile mit sich bringen, darunter eine geringere Umweltbelastung durch reduzierte Treibhausgasemissionen und weniger Wasserverbrauch. Pflanzendrinks sind oft auch arm an gesättigten Fettsäuren und enthalten kein Cholesterin, was für die Herzgesundheit von Vorteil sein kann.

Nährstoffdefizite im Blick

Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Der Proteingehalt in den meisten pflanzlichen Alternativen – mit Ausnahme von Soja – ist oft geringer als der von Kuhmilch. Zudem kann der Gehalt an Kohlenhydraten in Getreideprodukten wie Hafer und Reis höher sein. Und dann sind da noch die Phytate, die in manchen pflanzlichen Inhaltsstoffen vorkommen und die Bioverfügbarkeit von Nährstoffen einschränken können. Das lässt schon ein wenig Zweifel aufkommen, ob Pflanzendrinks tatsächlich eine gleichwertige Alternative sind.

Die DGE warnt vor Nährstoffdefiziten bei unzureichender Zufuhr und empfiehlt den Verzehr von Kuhmilch und -produkten wegen ihrer positiven Gesundheitseffekte. Wer sich für pflanzliche Alternativen entscheidet, sollte darauf achten, Produkte ohne Zuckerzusatz zu wählen und die Zutatenlisten genau zu prüfen. Schließlich geht es ja um die eigene Gesundheit, und die sollte immer an erster Stelle stehen.