Heute ist der 25.07.2026 und das Thema, das uns beschäftigt, ist der Protein-Hype in Deutschland. Der Ernährungsreport des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, der 2022 bereits zum zehnten Mal erschien, zeigt uns, wie sich unsere Essgewohnheiten über ein ganzes Jahrzehnt entwickelt haben. Und, wie könnte es anders sein, der Geschmack bleibt das A und O bei der Lebensmittelwahl, gefolgt von der Gesundheit der Nahrungsmittel. Eine Ipsos-Studie hat ergeben, dass satte 74% der Deutschen eine gute Ernährung als den wichtigsten Faktor für ihre Gesundheit betrachten. Da fragt man sich doch: Brauchen wir wirklich immer und überall Eiweiß?

Die Lebensmittelindustrie hat sich darauf spezialisiert, Protein als den vielseitigen Nährstoff schlechthin zu vermarkten. In vielen Produktkategorien findet man es – auch wenn die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bereits 2021 feststellte, dass eine Extraportion Protein keinen gesundheitlichen Nutzen hat. Antje Gahl von der DGE äußert dazu Skepsis und weist darauf hin, dass die sogenannten Gesundheitsversprechen der Hersteller oft überbewertet sind. Und die Zahlen sprechen Bände: Laut YouGov-Daten ist die Nachfrage nach proteinreichen Produkten bis Mai 2026 um 39,1% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Fast jeder zweite Deutsche greift gezielt zu solchen Produkten, vor allem die jüngeren Generationen scheinen dem Trend verfallen zu sein.

Der Protein-Markt boomt

Die Unternehmensgruppe The Quality Group hat im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von beeindruckenden 850 Millionen Euro erzielt – ein Plus von über 40% im Vergleich zum Vorjahr. Ein echter Boom! Doch genau hier kommt die Frage auf, ob wir wirklich mehr Eiweiß brauchen. Die DGE empfiehlt einen Richtwert von 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Dabei konsumieren deutsche Männer im Durchschnitt bereits zwischen 75 und 84 Gramm täglich, Frauen zwischen 53 und 60 Gramm. Das liegt also schon über den Empfehlungen. Für ältere Menschen wird sogar eine höhere Proteinzufuhr empfohlen, um dem Muskelabbau entgegenzuwirken.

Antje Gahl warnt jedoch davor, dass viele Anbieter den Proteingehalt auf die gesamte Packung beziehen und nicht auf realistische Portionen. Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale zeigt zudem, dass nicht alle proteinreichen Produkte auch tatsächlich gesünder sind; viele enthalten viel zu viel Salz oder Fett. Und das Preis-Leistungs-Verhältnis? 86% der beworbenen Produkte sind teurer als vergleichbare Produkte ohne Proteinwerbung. Das lässt einen schon ins Grübeln kommen!

Die irreführende Werbung

Hersteller nutzen Aussagen wie „40 g Protein pro Becher“ oder „15 g Protein*“ – und das alles gut sichtbar, aber außerhalb der Nährwerttabelle platziert. Laut Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV, Artikel 30, Abs. 3) sind solche Angaben eigentlich unzulässig. Der Gesetzgeber wollte verhindern, dass die isolierte Angabe von Eiweiß ein verzerrtes Bild der Nährstoffzusammensetzung vermittelt. Der Bundesgerichtshof wird demnächst klären, ob solche Werbeaussagen wirklich zulässig sind. Eine Revision wurde nach einem Urteil des Oberlandesgerichts München zugelassen. Irgendwie verrückt, oder?

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Tierisches Eiweiß gilt als hochwertiger, während pflanzliche Proteinquellen sich gut ergänzen können. Der Markt für pflanzliche Fleisch- und Milchalternativen wächst in Europa rasant, und Deutschland ist einer der größten Märkte. Experten empfehlen daher eine ausgewogene Ernährung ohne teure Spezialprodukte, es sei denn, man gehört zu einer spezifischen Risikogruppe. Am Ende des Tages bleibt die Frage: Brauchen wir wirklich all diese Proteinprodukte oder ist eine vielfältige und ausgewogene Ernährung nicht ausreichend?